Tapejara

Zeitraum Frühe Kreidezeit (vor 112-109 Millionen Jahren)
Ernährung Allesfresser
Länge 3,5 Meter (Spannweite)
Gewicht 15 kg

Tapejara: Der bunte Papagei der Kreidezeit

Wenn man an Flugsaurier denkt, kommt einem oft der berühmte Pteranodon mit seinem langen Hinterkopf-Kamm oder der furchterregende Quetzalcoatlus mit seinem Giraffenhals in den Sinn. Aber in Südamerika, genauer gesagt im heutigen Brasilien, entwickelte die Evolution etwas noch Bizarreres, Bunteres und Einzigartigeres: Tapejara. Sein wissenschaftlicher Name bedeutet in der Sprache der Tupi-Indianer Brasiliens passenderweise “Das alte Wesen” (Tape = Wesen, Jara = alt) oder auch “der Wegweiser” (Tape = Weg, Jara = Herr).

Gefunden in der weltberühmten Santana-Formation im Araripe-Becken in Brasilien, ist Tapejara einer der auffälligsten und am besten erhaltenen Pterosaurier überhaupt. Er lebte in der frühen Kreidezeit (Aptium bis Albium), vor über 100 Millionen Jahren, an den Ufern eines großen, flachen Binnenmeeres, das reich an Leben war.

Ein Kopf wie ein lebendes Kunstwerk

Das Merkmal Nummer eins, das Tapejara sofort von allen anderen Flugsauriern unterscheidet, ist sein unglaublicher, fast schon absurder Kopfschmuck.

  • Der Kamm: Er hatte einen riesigen, fast halbkreisförmigen oder fächerförmigen Kamm (Kopfkrone) auf dem Kopf, der oft größer war als sein eigentlicher Schädel. Dieser bestand nicht nur aus massivem Knochen, sondern aus einem knöchernen Gerüst (Stirnkamm), das wahrscheinlich mit weichem Gewebe (Haut oder Keratin) überspannt war, wie ein Segel oder ein Fächer.
  • Form: Der knöcherne Teil ragte steil nach oben und hinten wie ein Sporn, während die Schnauze tief nach unten gebogen war. Zusammen mit dem Hautsegel ergab das eine spektakuläre Silhouette, die an einen modernen Kasuar oder Helmhornvogel erinnert.
  • Funktion: Wozu diente dieser riesige, energieaufwendige Kopfschmuck?
    • Schau: Die wahrscheinlichste Theorie ist, dass er leuchtend bunt gefärbt (rot, blau, gelb) und gemustert war und primär der Balz (Partnerwahl) oder der Abschreckung von Rivalen diente (“Display”). Ein größerer, bunterer Kamm signalisierte Gesundheit und Fitness.
    • Aerodynamik: Manche Forscher vermuten, dass er auch als aerodynamisches Ruder oder Seitenruder im Flug half, um den Kopf stabil zu halten oder schnelle, wendige Manöver in der Luft zu ermöglichen.
    • Thermoregulation: Die große Fläche, durchzogen von Blutgefäßen, könnte auch geholfen haben, überschüssige Körperwärme im heißen Tropenklima abzugeben (wie Elefantenohren).

Ein zahnloser Schnabel: Der “Tukan” der Lüfte

Tapejara hatte im Gegensatz zu vielen früheren Flugsauriern (wie Rhamphorhynchus) absolut keine Zähne. Sein Schnabel war kurz, tief und extrem stark nach unten gebogen, verblüffend ähnlich wie bei einem modernen Papagei, Tukan oder Ara.

  • Ernährung: Lange Zeit dachte man, basierend auf seinem Lebensraum am Meer, er sei ein spezialisierter Fischfresser (Piscivore), der im Flug Fische aus dem Wasser schnappte (“Skimming”).
  • Frugivore? Aber neuere Untersuchungen und Vergleiche seines Schädels und Schnabels mit modernen Vögeln deuten stark darauf hin, dass er sich eher primär von Früchten (Frugivore) ernährte! Sein kräftiger Schnabel war perfekt geeignet, um harte Schalen von Nüssen oder Samen zu knacken, faserige Früchte zu öffnen oder Fruchtfleisch herauszupicken. Er war also vielleicht der “Tukan” der Kreidezeit, der durch die Wälder flog und Samen verbreitete.
  • Allesfresser: Er war wahrscheinlich ein opportunistischer Allesfresser (Omnivore), der auch Insekten, kleine Tiere (Eidechsen, Säuger), Aas oder gelegentlich Fische nicht verschmähte.

Lebensweise und Verhalten

Tapejara war ein geschickter und wendiger Flieger, aber er verbrachte wahrscheinlich auch viel Zeit am Boden oder kletternd auf Bäumen.

  • Klettern: Seine Füße und Hände (Flügelkrallen) waren anatomisch gut zum Klettern geeignet. Er konnte sich an Ästen festhalten und im Geäst bewegen, ähnlich wie ein Hoatzin-Küken.
  • Laufen: Am Boden bewegte er sich wahrscheinlich ziemlich gut auf allen vieren fort (Quadrupedie), indem er seine gefalteten Flügel als Vorderbeine benutzte. Fußspuren belegen diese Gangart für Pterosaurier eindeutig. Er konnte starten, indem er sich mit den Vorderbeinen in die Luft katapultierte (“Quadrupedal Launch”).

Verwandtschaft: Die bunte Familie der Tapejariden

Tapejara ist der Namensgeber für eine ganze, faszinierende Familie von bizarren, kurzschnäuzigen Flugsauriern: die Tapejaridae.

  • Tupandactylus: Ein sehr naher und noch berühmterer Verwandter, Tupandactylus imperator (“Der Imperator”), hatte einen noch viel größeren, fast schon lächerlich riesigen Kamm aus weichem Gewebe, der fast so groß war wie sein ganzer Körper! Früher wurden diese Fossilien oft fälschlicherweise zu Tapejara gezählt, sind aber heute als eigene, spektakuläre Gattung anerkannt.
  • Sinopterus: Ein weiterer Verwandter, Sinopterus, wurde in China (Jehol-Biota) gefunden, was beweist, dass diese erfolgreiche Gruppe in der frühen Kreidezeit weltweit verbreitet war.
  • Evolution: Sie zeigen, dass Flugsaurier nicht nur Fischfresser waren, sondern viele verschiedene ökologische Nischen besetzten.

Interessante Fakten

  • Größe: Mit einer Flügelspannweite von etwa 3,5 bis 4 Metern war er kein Riese wie Quetzalcoatlus (10-12 Meter), aber immer noch so groß wie ein kleiner Albatros oder Kondor. Er war ein mittelgroßer Flugsaurier.
  • Fossilien: Die Fossilien aus der Santana-Formation sind weltberühmt für ihre unglaublich gute, oft dreidimensionale Erhaltung in Kalkknollen. Oft sind sogar Weichteile wie Kämme, Haut, Muskeln oder Mageninhalte erhalten, was uns einzigartige Einblicke in ihre Biologie gibt.
  • Forschung: Tapejara wird oft als Modell verwendet, um den Flug der Pterosaurier biomechanisch zu untersuchen und Roboter (“Ornithopter”) zu bauen.

Häufig gestellte Fragen

F: War er ein Dinosaurier? A: Nein, das ist ein häufiges Missverständnis. Pterosaurier (Flugsaurier) sind Reptilien und sehr nahe Verwandte und Zeitgenossen der Dinosaurier, aber sie sind keine Dinosaurier selbst (sie gehören zu einer eigenen Gruppe, den Pterosauria). Sie entwickelten den aktiven Flug völlig unabhängig von Vögeln oder Fledermäusen.

F: Konnte er schwimmen? A: Wahrscheinlich ja, zumindest kurzzeitig, wie eine Ente oder ein Schwan. Aber er war kein spezialisiertes Wassertier und konnte nicht tauchen. Wenn er ins Wasser fiel, konnte er wahrscheinlich wieder starten.

F: Wo kann man ihn sehen? A: Viele Museen weltweit haben Abgüsse oder Originale aus Brasilien, darunter das American Museum of Natural History in New York und das Senckenberg-Museum in Frankfurt.

Tapejara ist ein wunderschönes, fast märchenhaftes Beispiel für die unendliche Kreativität und Vielfalt der Natur. Er zeigt uns, dass der Himmel der Kreidezeit nicht nur von grauen Jägern beherrscht wurde, sondern auch von bunten, bizarren, fruchtfressenden “Vögeln”, die unsere Vorstellungskraft sprengen.

Häufig gestellte Fragen

Wann lebte Tapejara?

Tapejara lebte während der Frühe Kreidezeit (vor 112-109 Millionen Jahren).

Was fraß Tapejara?

Es war ein Allesfresser.

Wie groß war Tapejara?

Es erreichte eine Länge von 3,5 Meter (Spannweite) und wog 15 kg.